Unsere Abteilung Obst- und Gartenbau

(Leitung:Ralf Adam, Michelnauer Str. 24, 63667 Nidda-Ober-Lais, Tel. 06043/6367)

Auskünfte erhalten Sie auch bei unseren Fachwarten Reinhold Walter, Martin Lipensky, Dieter Steiner, Alfred Honisch, Gerd Waas in Blofeld und Anna Maria "Mary" Honisch.

aktuell

Ausflug ins Alte Land vom 3. bis 5. Mai 2018

Zur Apfelblüte ins Alte Land

Das Naturschauspiel, Hunderttausende Apfelbäumchen in Vollblüte zu sehen und deren verführerischen Duft zu riechen, ist sicher eine Reise wert, dachte sich die Obst- und Gartenbauabteilung des Kulturvereins Dauernheim und brach auf zu einer 4-Tages-Fahrt ins Alte Land, das im Südwesten an Hamburg angrenzt.

Am 3. Mai ging es los und am späten Nachmittag erreichte man das Hotel im Herzen Buxtehudes, eine ehemalige Mühle in der Altstadt direkt am Fleth. In der Dämmerung und einbrechenden Nacht erzählte dann ein Nachtwächter bei einer Führung Interessantes und Anekdoten aus der Geschichte der 40.000 Einwohner zählenden Hansestadt.

Am nächsten Morgen fuhr man zum Boomgarden, eine Streuobstwiesen-Projekt des Pomologen, Imkers, Fachbuch-Autors und Öko-Obstbauern Eckart Brandt, dessen Berufung es ist, alte Obstsorten zu sammeln und zu bewahren. Auf dem 3,8 Ha fassenden Areal des Boomgardens wachsen nach seinen Angaben 350 verschiedene Obstsorten und von vielen wusste er der begeisterten Zuhörerschaft spannend zu berichten. Besondere Aufmerksamkeit erhielt er, als er erklärte, dass viele der alten Sorten im Gegensatz zu den Neuzüchtungen allergikerfreundlich seien. Brandt, der den Streuobstanbau hauptberuflich betreibt, vermarktet seine Produkte auf Wochenmärkten direkt, schreibt Bücher über den Anbau, Eignung und Verwendung der alten und lokalen Sorten und verkauft Produkte aus seinem Obst - darunter Säfte, Marmeladen, Brände und sogar Apfel-Nudeln -, aber auch selbst veredelte Obstbäume und Edelreiser.

In einem Restaurant direkt an der Elbe konnten die Dauernheimer Obstfreunde anschließend beim Mittagessen ‚Pötte gucken‘ und die vorbeifahrenden Schiffe beobachten, bevor sie als Kontrast zum Streuobstanbau am Vormittag einen Obsthof mit Plantagenanbau besuchten. Mit dem ‚Obsthof-Express‘, einem Kleintraktor mit unzähligen Anhängern, in dem jeweils vier Personen Platz fanden, fuhr die Gruppe durch die in Vollblüte stehenden Apfelplantagen mit endlos langen Reihen der modernen Obstsorten, die man in den Supermärkten findet. Bestaunen konnte man die Vorkehrungen zum Beregnen gegen Frost, zum Abdecken der Kirschbäume gegen Vogelfraß und einen straff durchorganisierten Betrieb. Bei einem Stopp erzählte der Traktorfahrer von den Problemen der Plantagenbetreiber durch Wetter, Vögel und Schädlinge, und dass man nur ‚in geringem Maße‘ einwirke, um das biologische Gleichgewicht zu erhalten. Er berichtete auch von den Obstlagern, in denen das Obst kühl und annähernd ohne Sauerstoff gelagert wird, um auch weit nach der Saison knackig frisch an die Verbraucher zu gelangen.

Abends besuchte der KVD das Hansestädtchen Stade im Westen des Alten Landes, mit seiner wunderschönen Altstadt und dem alten, romantischen Hafen. Gerade richtig kamen die Obst- und Gartenbauer zum 1. Stader Craft Beer & Gourmet Festival, wo man sich nach Lust und Laune stärken konnte, bevor man - in zwei Gruppen aufgeteilt – Stade in einer kurzweiligen Abendführung kennenlernen konnte.

‚Ab nach Hamburg‘ hieß es am Samstagmorgen, wo an den Sankt-Pauli-Landungsbrücken ein Stadtführer zustieg und den Dauernheimern in einer zweistündigen Rundfahrt die Stadt näher brachte. Blankenese, Reeperbahn, Rathaus, Innen- und Außenalster, Speicherstadt, Hafencity mit Elbphilharmonie und die Sankt Michaelis-Kirche, der Hamburger ‚Michel‘, waren nur einige Stationen, zu denen der kompetente Guide Wissenswertes zu berichten wusste.

Am frühen Nachmittag legte die Barkasse ‚Hansensien‘ mit der jungen Skipperin Malina und ausschließlich dem KV Dauernheim zu einer Hafenrundfahrt ab. Man konnte Ozeanriesen mit einer Beladung von bis zu 16.000 Containern oder den Kussmund der AIDA Perla vom Wasser aus und ganz aus der Nähe bestaunen. Leider ließ die Tide nicht das Einfahren in die Speicherstadt zu, jedoch schipperte Malina durch den Containerhafen, vorbei an der Elbphilharmonie, in die Norderelbe mit den Alsterschleusen und durch den Museumshafen. Dabei kommentierte sie die einzelnen Stationen mit Hintergrundwissen und Esprit.

Nach der Hafenrundfahrt ging es mit dem Bus nach Jork, ins Zentrum des alten Landes, wo gerade das Altländer Blütenfest stattfand, an dem jährlich die Blütenkönigin gekürt wird. Auf verschiedenen Bühnen wurden Tanz- Musik- und Gesangsdarbietungen präsentiert und es gab allerlei Leckeres zu genießen.

Einige Frühaufsteher fuhren am frühen Sonntagmorgen mit der S-Bahn zum Fischmarkt nach Hamburg und erlebten den Hafen bei Sonnenaufgang, oder wie Bananen-Fred, Nudel-Olli, Aale-Dieter oder der Holländische Blumenkönig ihre Waren marktschreierisch feil boten. Musikinteressierte konnten in der Fischmarkthalle schon morgens um sechs bei Livemusik das Tanzbein schwingen oder ein herzhaftes Frühstück einnehmen. Pünktlich zu Marktschluss um 9:30 Uhr wurden die Fischmarktbesucher an den Landungsbrücken vom Bus abgeholt und zurück zum Hotel gebracht, wo man die Koffer packte und sich anschließend auf den Heimweg machte.

Alle Teilnehmer der bestens organisierten Fahrt waren begeistert von den abwechslungsreichen, interessanten und kurzweiligen Stationen des Ausflugs und bereits unterwegs gab es die ersten Vorschläge, wohin man nächstes Mal reisen könne…

 

Abschied von K.H.Volz als Abteilungsleiter

Es war mit Sicherheit eines der letzten Male, dass der gebürtige Dauernheimer Karl-Hainz Volz einer Besuchergruppe die Pforten des Lehrgartens für Obst- und Gartenbau in den Niddaauen öffnete:  Interessiert lauschten Hobbygärtner, Naturschützer und Mitglieder des Kulturvereins Dauernheim (KVD), unter dessen Dach die örtlichen Obst- und Gartenbauer seit 1991 als eigenständige Abteilung agieren, den Ausführungen des 84-jährigen zu Baum- und Strauchobst, traditionellen Arten, deren Erhaltung und Rückgewinnung, Pflanzenschutz , fachgerechten Baumschnitt und -veredelung, Insektenhotels und den Schutz der robusten Wildbiene und der Hummel als wichtiger Bestäuberinnen. Auch mit den Versprechungen bunt bebilderter Gartenbau-Kataloge räumte der Experte gründlich auf  und verwies zudem auf einige verwilderte Grundstücke im Umfeld des Lehrgartens, die von Fehlbewirtschaftung, vom Altern und Sterben ihrer Besitzer oder von abgebrochenen Städterträumen vom „Leben auf dem Lande“ zeugten. All sein Wissen hat Karl-Heinz Volz in mehr als 25 Jahren ungezählten Interessierten in Theorie und Praxis erschlossen.

Diese Blütenwanderung zum 125-jährigen Bestehen des vereinsmäßig betriebenen Obst- und Gartenbaus in Dauernheim war für ihn jedoch in vieler Hinsicht ein besonderes Ereignis: „Ich möchte einen Schlussstrich unter meine langjährige Tätigkeit ziehen und lege mein Amt als Abteilungsleiter in jüngere Hände“, sagte Volz und stellte den Anwesenden den Dauernheimer Übersetzer und Diplomfremdsprachenlehrer Ralf Adam als seinen Nachfolger vor.  Bei der humorvollen Übergabe des Staffelstabes in Form eines Blütenzweiges unterstrich Volz die solide zweijährige Ausbildung zum Fachwart für Obst- und Gartenbau, die Adam beim Landesverband Hessen für Obstbau, Garten und Landschaftspflege e.V.(LOGL) in Gelnhausen erhalten habe. Im dortigen Schulungszentrum der Kreisverbände Büdingen und Gelnhausen habe Adam unter anderem aktuelle Spezialkenntnisse für den Umgang mit Zierpflanzen und -gehölzen sowie den fachkundigen Schnitt von Hochstämmen erworben, die ihm selbst seinerzeit noch nicht zur Verfügung gestanden hätten. „Ralf Adam wird seine Sache gut machen – und für ihn als Jüngeren ist es zudem viel leichter, mit Ihnen  über Stock und Stein, Obstwiesen und Gartenpfade zu wandern“, erläuterte Volz den berührten Zuhörern, von denen viele sein Wissen und seinen Rat in konkreten „Gartenfragen“ über mehr als 25 Jahre kennen und schätzen gelernt hatten.

 

 

Der gelernte Weißbinder Karl-Heinz Volz, der seinen Vater in den letzten Tagen des zweiten Weltkriegs verlor, hatte eigentlich Fotograf oder Kameramann werden wollen, das Einverständnis des Vaters, der in Dauernheim Filmstellenleiter gewesen war, lag ihm bereits vor. Der Tod des Vaters machte das Erlernen eines Brotberufs für ihn notwendig, mit dem er sich über die Jahre und viele Einsätze auf dem Bau schließlich zum Lagerleiter der Adler-Werke in Frankfurt hocharbeitete.  Dauernheim und die umgebende Natur in reizvollen Fotografien einzufangen, war und  blieb jedoch sein Hobby. Und so lag es nahe, dass Volz ab 1990 mit Eintritt ins Rentenalter nicht nur die Gründung der Abteilung Obst- und Gartenbau im KVD anregte, sondern auch die Ausbildung zum Fachwart, damals in Groß-Umstadt, absolvierte, die Abteilungsleitung übernahm und fortan seine eigenen Lehrmaterialien anhand von umfangreichen Fotosammlungen erstellte. Diese dokumentieren bis heute übersichtlich wilde und kultivierte, alte und neue Obstbaumarten der Region, deren Schädlings- und Schmarotzerbefall, der sich anhand der Bilder leichter diagnostizieren lässt, sowie Heil-, Zucht- und Veredelungsmaßnahmen und deren Effekte. Ein Wissensschatz, auf dem Karl-Heinz Volz‘ Nachfolger Ralf Adam (siehe Foto) mit Sicherheit aufbauen kann.

Text und Fotos: Inge Müller

Über die Abteilung

Bereits Ausgang des 19.Jahrhunderts hatte es in Dauernheim einen Obst- und Gartenbauverein gegeben, dessen Arbeit von 1892 bis 1910 dokumentiert ist. Und da das Dorf zahlreiche Garten- und Obstanlagen besitzt, wurde im Verein der Wunsch laut, die Pflege des Obst- und Gartenbaus als Vereinsziel ebenfalls zu verfolgen. Im Jahre 1990 wurde daraufhin die Abteilung gegründet,die dann auch bald viel Zulauf erhielt und heute 63 Mitglieder besitzt. Schon im folgenden Jahr konnte die Abteilung ein erstes Ziel verwirklichen, nämlich die Pacht und Anlegung eines Obst-Lehrgartens, in dem vorwiegend an Spindeln und Büschen Pflanzung und Pflege demonstriert werden können. Wenige Jahre später konnte ein weiteres Obstgrundstück dazu gepachtet werden. Die Pflege der Obstgehölze steht denn auch im Mittelpunkt der Arbeit.

Alljährliche von Fachwart K.H.Volz abgehaltene Kurse zum Frühjahrs- und Sommerschnitt stoßen stets auf reges Interesse.

An jedem ersten Mittwoch eines Monats gibt es im alten Rathaus einen Info-Abend, der sich mit allen Aspekten des Obst- und Gartenbaus beschäftigt und an dem auch interessierte Nichtmitglieder Fragen stellen und Anregungen erhalten können. Fahrten zu Versuchsanlagen sowie die Teilnahme an Lehrgängen und Vorträgen sorgen für die nötige Weiterbildung der Fachwarte, von denen der Verein derzeit sieben aufweisen kann, neben K.H.Volz noch Reinhold Walter, Martin Lipensky, Dieter Steiner, Gerd Waas sowie Anna Maria und Alfred Honisch.

Die Abteilung beteiligt sich regelmäßig an den alle zwei Jahre stattfindenden Bezirksgartenbauausstellungen. In geschmackvoll hergerichteten Ständen, die sich hinter denen anderer Aussteller nicht zu verstecken brauchen, werden Gemüse, Obst und Blumen aus unseren heimischen Gärten präsentiert. Beteiligt war die Abteilung bei folgenden Ausstellungen: 1991 in Ortenberg, 1993 in Gedern, 1995 in Diebach am Haag, 1997 in Ober-Seemen, 1999 in Eckartshausen, 2000 auf der Ronneburg, 2002 in Glauberg, 2006 in Wolf, 2008 in Ortenberg, 2010 in Büdingen, 2012 in Glauberg und 2014 in Düdelsheim. 2004 fand die Ausstellung anlässlich unseres Vereinsjubiläums am 2. und 3.Oktober in Dauernheim statt.

Letztes Update 7.11.2018 (Startseite + Verein/Theater + Dorf/TermineBild der Woche)

Zuletzt im Blog

Anschrift:

Kulturverein Dauernheim e.V.

Siegfried Urban, Borngasse 13, 63691 Ranstadt

Tel. 06035/2690

email: info@kvdauernheim.de